Es handelt sich bei diesem Buch um eine Neuveröffentlichung. Ursprünglich hatte ich es unter meinem Klarnamen veröffentlicht. Das Cover siehst du weiter unten.
Eine Lüge und ein geschenktes Leben
Kurz nach dem Tod seiner Mutter erhält John von seinem Vater eine mysteriöse Holztruhe mit alten Fotos und einem Ledertagebuch einer unbekannten Frau. Daraufhin gerät sein Leben aus den Fugen und er stellt sich die Frage: Was haben die Truhe und ein rätselhafter Satz seiner Schwester an ihren Vater mit seinem Leben zu tun?
Leseprobe:
Kapitel 1
Im Schein der Nachttischlampe griff sie erneut zu einem Blatt Papier. Es lagen mittlerweile zehn zerknüllte Blätter auf dem antiken Sekretär. Mit einer fahrigen Bewegung strich sie sich durch ihr graues gelocktes Haar, bevor sie langsam begann, den Brief an ihren Sohn neu zu formulieren.
12. April 2015
Lieber John,
ich weiß nicht, wie ich dir alles erklären soll. Ich weiß auch nicht, ob ich es dir erklären soll. Es ist so viel Zeit vergangen und eigentlich ist es nicht wichtig. Doch aus irgendeinem Grund habe ich trotz allem ein schlechtes Gewissen – dir und auch mir gegenüber. William ist der Meinung, dass du jetzt alt genug bist, um es zu erfahren und auch gescheit genug, um zu unterscheiden, was gut und was schlecht war. Sicherlich hat er da Recht.
»Ach, ich kann das nicht!« Sie nahm das Papier und knüllte es zusammen. Während sie es in ihrer knochigen Hand festhielt, starrte sie aus dem Fenster in die Dunkelheit. Kein Stern war am Himmel zu sehen, aber das nahm sie gar nicht wahr. Sie dachte an ihren Sohn. Sie hatte Angst, mit der Beichte einen noch größeren Fehler zu begehen als den, den sie in der Vergangenheit begangen hatte.
Traurig stand sie auf. Dabei musste sie sich mit all ihrer Kraft am Tisch abstützen. Ihre alten Knochen schmerzten sehr. Sie hatte zu lange auf dem Stuhl gesessen, ihre Beine waren ganz steif geworden. Ihr Bett sah sehr einladend aus mit dem weichen Federkopfkissen. Liebevoll sah sie ihren Mann an, der schon tief und fest schlief. Lediglich sein ruhiges Atmen war zu vernehmen. Sie schlug ihre Bettdecke zurück und stieg in das hohe Bett. Dann löschte sie das Licht. Es dauerte einige Zeit, bis sie richtig und gemütlich lag, so dass die Knochen nicht zu sehr schmerzten.
Noch einmal dachte sie an ihren Sohn, der nur einige Zimmer weiter schlief. »Wie soll ich es dir nur sagen? Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich es nicht schon früher getan habe. Aber ich glaubte immer, du würdest mich hassen, wenn du es erfährst. Und das ist das Letzte, was ich will. Ich will nicht mein restliches Leben lang wieder nur mit Verachtung begutachtet werden«, murmelte sie leise vor sich hin.
Dann schloss sie die Augen und fiel in einen unendlich tiefen Schlaf.
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