Kurzgeschichtensammlung
»Die Haustür war nur angelehnt. Ein modriger Geruch schlug ihnen entgegen.«
Eine Frau, die gerade erst umgezogen ist, geht am späten Nachmittag mit ihrem Hund in einem fremden Wald spazieren. Dabei kommt sie nicht nur vom Weg ab und verirrt sich in der Dunkelheit, sondern kreuzt auch den Weg einer Bestie.
Ein Mann soll eine Hochzeit musikalisch auf seinem Akkordeon begleiten, das jedoch am Abend zuvor gestohlen wird. Er beschließt daraufhin, das Schifferklavier seines Großvaters zu benutzen. Doch was geschieht, wenn die grausame Sage um das Instrument nicht nur Seemannsgarn ist?
Und was ist das für ein unheimliches Wesen, das in einer Halloweennacht auf einer australischen Farm sein Unwesen treibt?
ISBN: 9783752943580
NICHT MEHR ERHÄLTLICH, ALLE GESCHICHTEN SIND IN TOTENFLIMMERN ENTHALTEN
Leseprobe:
Langsam wurde es dunkel draußen. Die Bäume schirmten die untergehende Sonne ab und warfen unheimliche Schatten auf den Waldboden. Die Kälte wurde unangenehmer und kroch Alexa in die Glieder. Instinktiv fasste sie die Leine ihrer Hündin kürzer und befahl Molly bei Fuß zu gehen.
Sie war schon viel länger unterwegs als sie eigentlich vor hatte. Doch die Luft war so angenehm gewesen, so dass sie es direkt ausnutzen wollte die Waldwege zu erkunden. In den letzten Tagen hatten die beiden nur kurze Spaziergänge gemacht. Alexa hatte noch zu viel mit dem Umzug zu tun. Heute allerdings sollte Molly endlich mal wieder mehr laufen.
Der Wald war zu der späten Stunde nur noch wenig belaufen. Ein paar Leute kamen ihr entgegen. Ein Blick auf ihre Uhr verriet, dass sie bereits zwei Stunden lang unterwegs war. Es war halb fünf am Nachmittag.
»Mist … Molly, was sagst du, sollen wir umkehren, oder schauen, dass wir hier auf dem kürzesten Weg aus dem Wald rauskommen?«
Die Labradorhündin sah ihr Frauchen mit unschuldigem Blick an und fiepte leise.
»Ja, du hast Recht. Ich will auch nicht im Dunkeln durch den Wald zurück. Komm, ich glaube, wir müssen uns hier links halten um zur Straße zu kommen.«
Alexa war froh über einen gut ausgeprägten Orientierungssinn zu verfügen. Doch ob sie sich hier in dem fremden Wald auch so schnell zurecht finden würde, wie im Straßenverkehr?
Je weiter sie lief, desto dunkler wurde es.
Plötzlich fand sie sich in einem Waldstück voll von Tannen wieder. Der Boden wurde weicher. Irritiert versuchte sie auszumachen, ob es sich hier noch um einen angelegten Weg handelte oder ob es ein Trampelpfad war. Sie kehrte ein Stück zurück und stellte fest, dass sich der Hauptweg tatsächlich hier gabelte. Der linke Weg führte in den Tannenwald und der befestigtere Weg verlief rechts. Wenn ihr Orientierungssinn stimmte, müsste sie sich weiter links halten und das hieß durch den dunklen Tannenwald.
Eine Gänsehaut lief ihr den Rücken hinunter.
»Molly, lauf. Ich nehme den Weg, den du auch wählst. Los!«
Zögerlich schlug die Hündin den rechten Weg ein. Alexa spürte ein Rumoren in ihrer Magengegend.
Sie folgten dem Weg und mit jedem weiteren Schritt wurde es Alexa unheimlicher in diesem Wald.
Wolken waren aufgezogen und mittlerweile war es so finster, dass sie sich sehr auf den Fußboden konzentrieren musste um nicht über irgendwelche Steine oder Äste zu fallen.
Molly, die erst ein Stückchen vorausgelaufen war, lief jetzt direkt neben ihr. Als der Hund dann unerwartet stehenblieb und leise winselte, wurde es Alexa bewusst. Sie hatte sich verlaufen. Sie kramte ihr Handy aus der Tasche und versuchte mit dem hellen Licht, den Weg auszuleuchten. Entsetzt stellte sie fest, dass sie vom Weg abgekommen waren. Rings um sie herum war nur Gebüsch, Farnkraut und Bäume. Aber kein Weg mehr.
Einige Sekunden, die Alexa wie unendlich viele Minuten vorkamen, stand sie wie angewurzelt da. Verzweifelt drehte sie sich dann in alle Richtungen, in der Hoffnung ihren gegangenen Weg wiederzufinden. Doch der Boden wies keinerlei Fußspuren auf.
»Molly … Bitte geh den Weg zurück. Komm schon.«
In ihrer Stimme lag ein leichter Anflug von Angst. Noch schaffte sie es, ihren Verstand zu benutzen. Sie wusste, dass sie wieder aus dem Wald herausfinden würde.
© Jessica Pietschmann. Alle Rechte vorbehalten. Datenschutz Impressum
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